Neurale Stimulation reduziert den Cannabisentzug bei MS-Patienten

Neurale Stimulation reduziert den Cannabisentzug bei MS-Patienten

Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine überwachte Nervenstimulation zu Hause die Cannabis-Entzugssymptome bei Frauen mit Multipler Sklerose (MS) und Cannabiskonsumstörung (CUD) deutlich verringern kann. An dieser randomisierten Pilot-Kontrollstudie, die in der Fachzeitschrift "Drug and Alcohol Dependence" veröffentlicht wurde, nahmen 47 Frauen mit schubförmiger MS im Alter von durchschnittlich 43 Jahren teil, die ihren Cannabiskonsum reduzieren wollten.

Die Intervention erfolgte mittels transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS), einer nicht-invasiven Technik, die die neuronale Aktivität durch Anlegen eines schwachen elektrischen Stroms an das Gehirn moduliert. Die Teilnehmer erhielten ein tDCS-Gerät für zu Hause, das für 20 Minuten aktive Stimulation programmiert war, oder eine Scheinstimulation, bei der das Gerät ausgeschaltet war. Über einen Zeitraum von vier Wochen nahmen sie an täglichen Sitzungen teil, die per Videochat überwacht wurden und Achtsamkeitsmeditation und Musik zur Entspannung beinhalteten.

Die Ergebnisse zeigten, dass 83% der Teilnehmer die Intervention abschlossen, was die Durchführbarkeit für Personen, die einen Ausgleich zwischen Arbeit und Ausbildung suchen, belegt. Vor allem die Teilnehmer, die eine aktive Stimulation erhielten, meldeten einen Rückgang des Cannabiskonsums um 26%, nämlich von durchschnittlich 5,3 Tagen pro Woche auf 3,9 Tage. In der Kontrollgruppe war der Rückgang geringer, von 5,3 auf 4,8 Tage.

Das Verlangen nach Cannabis, die depressive Stimmung und die mit dem Cannabisentzug verbundenen Unruhe-Symptome gingen bei den Teilnehmern, die eine aktive Stimulation erhielten, deutlich zurück. Außerdem blieben diese Verbesserungen bis zu drei Monate nach Beendigung der Intervention erhalten. In der aktiven Gruppe kam es auch zu einem bemerkenswerten Rückgang der MS-Symptome, obwohl diese Vorteile bei der dreimonatigen Nachuntersuchung nicht anhielten.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Beeinflussung der neuronalen Schaltkreise, die mit der Sucht in Verbindung stehen, ein praktikabler Ansatz für die Behandlung von CUD sein könnte, insbesondere bei Bevölkerungsgruppen wie Frauen mit MS, die aufgrund des Konsums von Cannabis zur Symptombehandlung mit einer Cannabisabhängigkeit kämpfen können. Die Forscher räumten jedoch Einschränkungen ein, darunter die ausschließlich weibliche Stichprobe und der spezifische MS-Subtyp der Teilnehmer. Sie betonten die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die breitere Anwendbarkeit dieser Intervention für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu bestimmen.

In künftigen Studien könnten längere Interventionszeiträume oder Erhaltungsprotokolle untersucht werden, um die beobachteten Vorteile zu erhalten. Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Pilotstudie bilden die Grundlage für künftige Forschungsarbeiten zur Entwicklung wirksamer Behandlungsstrategien für Cannabiskonsumstörungen bei Personen mit komplexen Gesundheitszuständen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

de_DEGerman