In Bayern, Deutschland, öffnet Philip Schetter, Geschäftsführer von Cantourage, eine schwere Stahltür, um einen großen Vorrat an Cannabis zu enthüllen. Cantourage ist auf die Herstellung und den Vertrieb von Arzneimitteln auf Cannabisbasis spezialisiert und arbeitet unter strengen Sicherheitsprotokollen, um seine Vermögenswerte zu schützen. Mit der teilweisen Legalisierung von Cannabis in Deutschland bleibt das Unternehmen wachsam gegenüber potenziellen kriminellen Bedrohungen, die auf sein importiertes Cannabis aus Regionen wie Jamaika, Uganda und Neuseeland abzielen.
Schetter betont, wie wichtig die Sicherheit sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Produkte ist: "Wir haben uns zu den höchsten Sicherheitsstandards verpflichtet." In der Einrichtung arbeiten Mitarbeiter mit OP-Kitteln und Masken, die getrocknete Cannabisblüten sorgfältig zu medizinischen Produkten verarbeiten, die chronische Schmerzen lindern, Epilepsie behandeln und Patienten mit Krebs und HIV unterstützen sollen.
Cantourage hat ein beachtliches Wachstum erfahren und meldete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 51,4 Millionen Euro, was einem Anstieg von 118 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Das Unternehmen unterstützt Produzenten beim Eintritt in den europäischen Markt für medizinisches Cannabis, indem es die Verarbeitung und den Vertrieb ihrer Produkte übernimmt. Zu den wichtigsten Konkurrenten gehören Bedrocan aus den Niederlanden und das kanadische Unternehmen Aurora.
Seit 2017 bieten deutsche Apotheken Cannabis auf Rezept an. Der gesetzliche Rahmen bietet den Patienten verlässliche Produkte und sorgt für Klarheit über deren Herkunft und Inhalt. Schetter weist auf die Risiken hin, die mit Schwarzmarkt-Cannabis verbunden sind, bei dem es oft an Qualitäts- und Sicherheitsgarantien mangelt.
Cantourage vermarktet seine Produkte mit einprägsamen Sortennamen wie "Frosted Cookies" und "Lemon Berry Candy", die eine jüngere Zielgruppe ansprechen und die Grenzen zwischen Freizeit- und medizinischem Cannabis verwischen. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zu den traditionellen pharmazeutischen Marketingstrategien.
Die rechtliche Situation von Cannabis in Deutschland hat sich weiterentwickelt, insbesondere unter der vorherigen Mitte-Links-Regierung, die den Zugang zu verschreibungspflichtigem Cannabis erleichterte und den Besitz kleiner Mengen für den persönlichen Gebrauch legalisierte. Dieser Wandel hat das Bewusstsein für die Verfügbarkeit von Cannabis jenseits schwerer medizinischer Erkrankungen geschärft, was zu einem Anstieg der Nachfrage geführt hat. Daten von Bloomwell zeigen, dass Cannabisverschreibungen in Apotheken von März 2024 bis Dezember 2024 nach den gesetzlichen Änderungen um über 1.000 Prozent gestiegen sind.
Allerdings unterstützen nicht alle Politiker diese Änderungen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich gegen die Legalisierung von Cannabis ausgesprochen, und der bayerische Ministerpräsident Markus Soeder nannte sie eine "Schande für das Land". Trotzdem nimmt die derzeitige Regierungskoalition eine nachsichtigere Haltung ein und verspricht eine "ergebnisoffene Bewertung" der Cannabispolitik. Schetter bleibt optimistisch, was die Zukunft angeht, und erklärt, dass die Position von Cantourage als pharmazeutischer Anbieter stabil bleibt, selbst wenn es zu regulatorischen Änderungen kommt.
Schetter sieht das Potenzial für eine weitere Legalisierung und erklärt: "Wir sind ein pharmazeutisches Unternehmen. Wir stellen Medikamente her und liefern sie an Apotheker." Er ist neugierig auf die Ergebnisse der Regierungsprüfung und hofft auf Fortschritte in der Cannabisgesetzgebung.
